Christlich-Essenische Kirche
Author: myblog | Nov 1, 2009
Plastikblume im Garten Gottes
Der in den Medien mittlerweile konstatierte Boom neuer oder vermeintlich neuer Religiosität bringt neben ernsthaften spirituellen Suchbewegungen auch manche Merkwürdigkeit hervor.
Zu diesen Merkwürdigkeiten zählt eine Kirche, die jetzt gelegentlich in der Presse erwähnt wird und seinerzeit die Besucher des Kölner Weltjugendtages mit fröhlichen Frauen im katholischen Priestergewand überraschte: Die „Christlich-Essenische Kirche“, im folgenden kurz CEK genannt.
Nach der Selbstdarstellung im Internet (www.cek-int.org/de) wurde die CEK in Deutschland 1971 „auf der Basis des Urchristentums“ gegründet, und zwar von dem später als Reiki-Meister bekannt gewordenen gelernten Kaufmann Eckard Strohm; als Mitgründer werden anonym diverse Religionsvertreter genannt: „Ein Rabbiner, ein Lama, ein katholischer Erzbischof, zwei katholische Bischöfe, ein evangelischer Bischof und ein Imam.“. Man bezeichnet sich als „überkonfessionell“ und akzeptiert „alle Glaubensrichtungen als zu uns gehörig“ Die Zuordnung zu einer konkreten christlichen Konfession ist nicht erkennbar und auch nicht beabsichtigt; die CEK sieht kein Problem in einer etwaigen Doppelmitgliedschaft mit einer der herkömmlichen Konfessionen. Von den im Namen genannten Essenern heißt es an anderer Stelle, sie hätten Verbindung zu den Engeln gehabt, geistiges Heilen praktiziert und mit Tieren und Pflanzen zusammengearbeitet. Das klingt weniger nach den historischen Essenern als nach der in esoterischen Zirkeln nicht ungewöhnlichen Spiritualisierung der Natur. „Kommunikation mit den Engeln als Lebenshilfe“ zählt denn auch zum ausdrücklich genannten seesorglichen Angebot. Es werden Gottesdienste gefeiert, die sich ausweislich der Bilder im Internet (Altartisch, Messbuch, Kelch, liturgische Gewänder) an die katholische Messe anlehnen. In diesen Feiern, die „Gleichdenkenden aller Religionen“ offen stehen, soll die Liebe Gottes „in Form von lichtvoller Energie in Brot und Wein (alkoholfrei)“ einfließen und dann geteilt werden. Segen und Handauflegen sollen dem „Heilen von Körper, Seele und Geist“ dienen. Heilung soll auch ein spezielles Heilwasser bringen, das an der „Gnadenstätte“ Burg Raiffershardt im rheinischen Windeck-Werfen aus einem eigens gebohrten Brunnen fließt. Mehreren Menschen sei auf Burg Raiffershardt die Gottesmutter erschienen und habe auf dieses Heilwasser aufmerksam gemacht. Als Visionär namentlich genannt wird nur Eckard Strohm.
Ein Bekenntnis und viele Ämter
Die CEK betrachtet das Johannes-Evangelium als ihre heilige Schrift, allerdings nicht in der in allen christlichen Konfessionen gültigen Fassung.
Fazit
Bei der “Christlich-Essenischen Kirche” handelt es sich allem Anschein nach um ein Kunstprodukt, das keiner christlichen Konfession gleichzusetzen oder zuzuordnen ist. Im wesentlichen handelt es sich wohl um Anhänger/-innen und Mitarbeiter/-innen eines Mannes, der zuvor als Anbieter esoterischer Lebenshilfe in Erscheinung getreten ist und sich dabei auf sehr spekulative Erkenntnisse, z.B. auf Einblicke in die fiktive “Akasha-Chronik” berufen hat. Seit wenigen Jahren, wohl ausgelöst durch die Visionserlebnisse auf Burg Raiffershardt, tritt die “Christlich-Essenische Kirche” verstärkt in die Öffentlichkeit. Gesucht werden offenbar die äußeren Insignien einer christlichen Kirche in starker Annäherung an katholische Formen und Symbole. Auffallend ist die reichliche Vergabe hoher kirchlicher Titel, die offenbar auch mit feierlichen Weihehandlungen einhergeht. Zu der vorher schon praktizierten esoterischen Lebenshilfe käme damit ein neues Angebot hinzu: eine vermeintliche spirituelle Alternative für Menschen, die sich im herkömmlich verfassten Christentum nicht recht zu Hause fühlen, christlichen Traditionen aber näher stehen als etwa fernöstlichen Religionen. Dass aber ausgerechnet die “Christlich-Essenische Kirche” das geeignete Instrument darstellt, die Weltreligionen zusammenzuführen, ist nach den diffusen Lehraussagen, aber auch nach ihrer esoterischen Vorgeschichte nicht zu vermuten.
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